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Eine scheue Katze eingewöhnen und ihr Vertrauen gewinnen

Scheue Katzen können ihre Angst dem Menschen gegenüber ablegen.

Und sie können so viel Vertrauen gewinnen, dass sie Streicheleinheiten ihrer Bezugspersonen genießen und ein selbstbewusstes, fröhliches Katzenleben führen.

 

Glaub mir – ich spreche aus eigener Erfahrung. Meine menschenscheue Meggie wandelte sich vom Angstkätzchen zu einer lebenslustigen, zärtlichen Katzendame. Ich bin jeden Tag so unglaublich froh, mich für sie (und ihre Freundin Ruby) entschieden zu haben.

 

Eine scheue Katze eingewöhnen – wie geht das?

Voraussetzungen, eine ängstliche Katze einzugewöhnen

Ich spreche hier von Katzen, die in ihrer Zeit als Kitten ausreichend positiven Kontakt zu Menschen gehabt haben. Sie sind auf ihn sozialisiert, wissen, wie es sich anfühlt, angefasst und hochgehoben zu werden, kennen die menschliche Stimme, wurden auch von ihnen (neben ihrer Mutter) versorgt.

 

Vielleicht sind sie draußen groß geworden und hatten verstärkt Kontakt zu ihren Geschwistern und ihrer Mutter. Der Mensch spielte in ihrem Leben nur eine Nebenrolle.

eine scheue Katze eingewöhnen

So wie bei meiner Katze Meggie, die in einer Garage auf Kreta aufwuchs, gefunden wurde und ein Jahr bei einer Tierschützerin im Garten mit anderen Artgenossen lebte.

Dann wurde sie zusammen mit ihrer Freundin Ruby nach Hamburg vermittelt, wo es zu Stress mit dem dort wohnenden Kater kam. Die beiden mussten wieder ausziehen und landeten im saarländischen Tierschutz.

8 lange Monate wollte niemand den beiden ein Zuhause geben.

 

Warum? Weil Meggie zu den scheuen Katzen gehörte, die große Furcht vor Menschen hatte und sich auf keinen Fall anfassen ließ. (Warum ich mich trotzdem für sie entschied, kannst du hier nachlesen.)

Oder die Katze ist zurückhaltend und ängstlich, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Menschen machte. Da reicht es schon, wenn sie zu sehr bedrängt wurde (nicht jede Katze will ständig gestreichelt und hochgehoben werden:   Podcastfolge  "Aufgepasst beim Streicheln!" anhören ) und ihre Bedürfnisse nach Distanz und Selbstbestimmung nicht respektiert wurden.

Auch diese Katze kann mit der richtigen Herangehensweise zu einem überaus zutraulichen Vierbeiner heranwachsen.

 

 

Für eine Katze, die nicht auf den Menschen sozialisiert ist und übersteigertes Angstverhalten (z.B. dauerhaftes Verstecken, Aggression gegen Menschen, Unsauberkeit, fehlende Kontaktaufnahme, nervöses Aufschrecken) zeigt, gelten andere Kriterien. Sie gehören, therapeutisch betrachtet, in die Hände sehr erfahrener Katzenverhaltensmediziner*innen und Katzenpsycholog*innen.

 

Wie verhält sich eine scheue Katze in ihrem neuen Zuhause?

Eine menschenscheue Katze wird sich in ihrem neuen Zuhause zunächst einmal verkrümeln, sich unsichtbar machen. In der Regel wird sie sich ein leicht erreichbares Versteck unter einem Möbelstück oder ganz oben auf einem Schrank aussuchen, wo sie sich sicher fühlt.

Das ist normal und erst einmal nicht Besorgnis erregend.

Sie wird sich erst wieder nachts zeigen und dann mit dem Erkunden des Zimmers oder der Wohnung beginnen. Vielleicht wirst du auch von ihren Spielgeräuschen wach.

 

Wahrscheinlich wird sie auch die Zeiten, in den sie frisst und ihre Toilette aufsucht, an die Abwesenheit der neuen Menschen anpassen. Und die schlafen nun mal nachts und in den frühen Morgenstunden. Nur dann fühlt sich die Katze sicher genug, ihren kätzischen Aktivitäten nachzugehen.

 

 

Alles gut und schön – aber so sollte es nicht bleiben, denn deine neue Katze soll Teil der Familie werden und aktiv am gemeinsamen Leben teilhaben.

Das ist der Punkt, der die Weichen stellt für die Zukunft: Kannst du das Vertrauen deiner Katze gewinnen oder behält sie ihr Misstrauen und ihre Distanz bei?

Leben mit Katze Podcast - scheue Katze eingewöhnen und ihr Vertrauen gewinnen

 

"Plädoyer für die scheue Katze" als Leben mit Katze Podcast - scheue Katze eingewöhnen und ihr Vertrauen gewinnen Podcastfolge anhören:

 

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Die drei No-Gos in der Eingewöhnungsphase deiner Katze

1 Du bedrängst deine scheue Katze.

Du gehst auf sie zu, obwohl sie sich versteckt. Oder du streckst die Hand aus, um sie anzufassen, obwohl sie vor dir zurückweicht. Schließlich bist du harmlos und du willst ihr zeigen: Du musst doch keine Angst haben.

Hat sie aber. Dieses Gefühl kannst du nicht wegstreicheln oder ihr ausreden.

Im Gegenteil – indem du deine Katze bedrängst, verhinderst du, dass sie Vertrauen zu dir fasst.

 

2 Du versuchst, sie aus ihrem Versteck zu locken

 

Deine Katze liegt immer noch hinter der Couch? Die Arme! Da hilft es doch sicher, wenn du versuchst, sie mit köstlichen Leckerlis aus ihrer Isolation hervorzulocken. Und wenn sie dann ein Stück weit hervorkommt, kannst du sie schnell anfassen oder herausziehen.

Stopp – tu deinem ängstlichen Kätzchen dies auf keinen Fall an. Schon mit dem Versuch des Lockens rufst du in ihr nicht nur das positive Gefühl von Neugier hervor, sondern auch ein Gefühl der Angst. Und gerade diese Emotion soll nach und nach abgebaut werden. Vertrauen baust du so auf keinen Fall auf.

 

3 Du schläfst nachts bei deiner menschenscheuen Katze

 

Damit du deiner scheuen Katze die Eingewöhnung so leicht wie möglich machst, ist es doch sicher sinnvoll, nachts bei ihr zu schlafen. Dann ist sie nicht so alleine.

 

Stimmt, ist sie nicht. Und damit traut sie sich vermutlich auch gar nicht mehr aus ihrem Versteck heraus, um ohne Angst zu fressen oder die Toilette zu nutzen. An Spielen ist schon gar nicht zu denken.

Damit nötigst du deine Katze fast, in ihrer selbst gewählten Isolation zu verharren.

  

So schaffst du es also auf keinen Fall, deine scheue Katze einzugewöhnen.

 

Die drei wichtigsten Methoden, deiner scheuen Katze bei der Eingewöhnung zu helfen

Vertrauen zu einer scheuen Katze aufbauen

Auch wenn es schwer fällt:

 

1 Du benötigst Geduld und eine gute Portion Zurückhaltung

 

Bedränge sie nicht, lass sie kommen; deine Katze entscheidet, wann sie den nächsten Schritt auf dich zukommt.

Aber du kannst sie bei der EIngewöhnung natürlich unterstützen.

Kündige dich an, bevor du den für sie liebevoll hergerichteten Raum betrittst, sprich mit leiser Stimme, damit sie sich an diese gewöhnt und sie als ungefährlich einstuft.

Setz dich kurz zu ihr, vermeide Augenkontakt und rede vor dich hin (oder lies aus einem Buch vor).

Lass Leckerchen liegen, locke sie aber nicht. Deine Katze wird sie nehmen, wenn du lange das Zimmer verlassen hast.

 

 So baust du nach und nach ein wenig Vertrauen auf.

 

2 Deine Wohnung muss für eine scheue Katze perfekt eingerichtet sein

 

Eine zurückhaltende, ängstliche Katze wird sich entweder unter etwas verkriechen, in etwas verstecken oder sich hoch oben verschanzen.

 

Richte ihr also schon vorher hochgelegene Plätze (z.B. auf dem Schrank) oder Höhlen in Stuhlhöhe (Kuschelhöhle, Tipis für Katzen, ein Fach im Schlafzimmerschrank) ein, damit sie sich schneller eingewöhnt.

 

3 Du brauchst ein Konzept zur Eingewöhnung deiner scheuen Katze

 

Du solltest dir vorher Gedanken darüber machen, wie du dein ängstliches Kätzchen am besten eingewöhnst, so dass sich schnell ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Du brauchst einen Plan, ein Konzept, damit du nicht plötzlich hilflos da stehst und dich völlig überfordert fühlst.

Kann eine Zweitkatze das Leben deines neuen Familienmitglieds erleichtern?

In deiner Wohnung gibt es kaum Türen. Wie schaffst du dennoch einen sicheren Raum für deine Katze?

Spielen stärkt das Selbstbewusstsein und die Beziehung zu dir. Nur, wie stellst du es geschickt an, damit die Katze keine Angst vor dir bekommt?

Wann darfst du sie anfassen?

 

Und wie bringst du ihr bei, dass sie auch gerne hochgehoben wird?

Cat Papers: Eingewöhnen einer scheuen Katze

Auf alle diese Fragen und neuen Situationen, die auf dich zukommen können, habe ich Antworten, die dir wirklich helfen.

 

Diese findest du in meiner Reihe "Cat Papers":  Eingewöhnen einer scheuen Katze

 

Denn meine Meggie & ich haben diese Zeit des Eingewöhnens so gut gemeistert, wie ich es mir hätte nicht schöner erträumen können.

 

Gib deiner scheuen Katze den Start in ihr neues, selbstbewusstes, vertrauensvolles Leben, den sie verdient.

 

 

Es lohnt sich.


Über die Autorin:

Mein Name ist Katja Henopp und ich bin Katzenpsychologin,  Kurs- und Katzenclubleiterin.

Ich helfe dir dabei, deine Katzen besser zu verstehen und individuelle Lösungen für deine täglichen Katzenherausforderungen zu finden.

Dazu lernen, Wissen erwerben, mehr verstehen, Herausforderungen meistern, Vertrauen aufbauen, harmonisch miteinander leben. Meinen Newsletter Fellnasenpost  abonnieren.

Als Willkommensgeschenk erhältst du mein Dokument "12 Wohlfühlmerkmale bei Katzen" gratis dazu.


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Kommentare: 1
  • #1

    Silke (Donnerstag, 29 April 2021 20:47)

    Dem kann ich nur zustimmen ☺ Dank Katjas professionellen Tipps und kompetenten Hilfe, wurde auch aus unserem ehemaligen " Fass mich nicht an " Mädchen Falki eine zutrauliche Katze, die mittlerweile auch ihre Streicheleinheiten einfordert. �

    Wieder einmal super schön geschrieben liebe Katja - es wird Zeit mit deinem Buch �