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Gute Gründe, warum deine Katze im Haus markiert

Er tut es, sie tut es manchmal auch: einen Sprühstoß (sie) oder einen Strahl (er)  Urin an Wände, Türen, Schränke oder Sofas abgeben.

Das Ganze nennt man dann "Harnmarkieren" und es gehört zu den Verhaltensweisen, die wir Menschen gerne für immer aus unserem Leben verbannt hätten (zumindest in den gemeinsamen vier Wänden).

Warum zeigen manche Katzen dieses Verhalten? Was steckt dahinter? Und wie schaffst du es, dass deine Katze keinen Grund mehr hat zu markieren?

 

Der Reihe nach...

Wer markiert?

Entgegen der allgemeinen Auffassung harnmarkieren sowohl Kater als auch Kätzinnen, intakte als auch kastrierte Tiere. Ca. 10 % aller kastrierten Kater markieren und 5 % der kastrierten Kätzinnen.

 

Wie wird markiert?

Kater markiert
4 und 5: Urinstrahl und Trippeln

Voll konzentriert und "genüsslich"  (s. Fotos) oder mehr so nebenbei.

In Einzelschritten:

Kater markiertDie Katze beschnuppert zunächst eine interessante Stelle ( evtl. die Duftmarke eines Rivalen), Kater markiertflehmt (die Geruchsstoffe gelangen ins sog. Jabobsonsche Organ, das uns Menschen fehlt; damit nimmt sie die Duftmoleküle auf), Kater markiert dreht sich um und hebt den Schwanz, vollführt damit eine Zitterbewegung ,  Kater markiert lässt eine kleine (manchmal auch größere) Menge Urin ab und Kater markierttrippelt dabei "genüsslich" mit den Hinterläufen.

Viele meiner Kunden berichten, dass ihre harnmarkierende Katzen eine sehr reduzierte Variante des oben beschriebenen Vorgangs zeigen: Sie begeben sich Richtung Regal, drehen sich schnell um, heben reflexartig den Schwanz, sprühen und gehen wieder gemütlich ihres Weges. Das ausgiebige Beschnuppern der zu markierenden Stelle entfällt komplett; oft auch das Treteln.

Der Vorgang des Harnsprühens ist für diese Katzen leider schon Gewohnheit geworden; je länger eine Katze bereits markiert, desto schwieriger wird es sein, dieses Problem aufzulösen.

Warum markieren Katzen?

Harnmarkieren als Kommunikationsmittel

Katze markiert Tonne

 Bei vielen Freigängern (wie früher bei Sisko, den ihr auf den Fotos gesehen habt) dient das Spritzmarkieren  (v.a. bei Katern) als wichtiges Kommunikationsmittel, v.a. dann, wenn es um Revierstreitigkeiten gehtKatze markiert Tonne.

 

Da der Urin jeder Katze  einen ganz eigenen Hormon- und Duftstoff-Cocktail besitzt, der als persönliche „Visitenkarte“ bezeichnet werden kann, dient er wunderbar dazu, markante Stellen des eigenen Revieres (Zaunpfosten, Strauch, Terrassentür,...)  zu beduften und anderen Artgenossen ein eindeutige Botschaft zu hinterlassen.

Das schreckt andere Katzen keineswegs ab, in dieses Revier vorzudringen, ist aber  nützlich, um ein vernünftiges "Reviersharing" zu betreiben. "Ich war um 7 Uhr hier und bin in allerbester gesundheitlicher Verfassung", könnte solch eine Urinbotschaft lauten. Der Beschnupperer dieser Nachricht hat dann die Wahl: Soll er um 7 Uhr an Ort und Stelle sein und sich auf eine Begegnung und damit einen möglichen Kampf einlassen oder vermeidet er ein Zusammentreffen zugunsten eines harmonischen aus-dem-Weg-Gehens!?

Da den allermeisten Katzen ihre Unversehrtheit lieb und teuer ist, entscheiden sich die meisten für die 2. Option; nur extrem territoriale Kater lauern anderen Konkurrenten gezielt auf, um sie ernsthaft zu verletzen und damit zu vertreiben.

 

Der Vorteil dieser "Harnkommunikation" ist die lange „Haltbarkeit“, denn auch Tage später nimmt eine Katze noch die Pheromone an der markierten Stelle wahr.

Im Kerngebiet der Katze (dort, wo sie ruht und schläft) markiert sie meistens nicht – allerdings gibt es auch zahlreiche Ausnahmen.

Unsichere Katzen setzen ihre Duftmarken auch dort (und das gilt auch für das Innere der Wohnung!), wenn sie durch den Eigengeruch ein Gefühl der Sicherheit brauchen oder einfach, wenn sie erregt genug sind.

Harnmarkieren bei Erregung

Katze markiert

 

Katze markiert Damit sind wir auch schon beim 2. Grund, warum Katzen harnmarkieren, nämlich bei (starker) Erregung.

Nehmen wir an, unser Stubentiger befindet sich in der Wohnung und sieht draußen den ungeliebten Nachbarskater vorbei gehen, kann selber aber nicht hinaus, gerät dadurch in eine hohe Erregungslage und wird dann evtl. eine vertikale Fläche im Haus (in der Nähe der Terrassentür oder des Fensters) mit seinem Harn besprühen. Dies hat selbstverständlich nichts mit „Protest“ zu tun, sondern ist eine ganz normale physiologische Reaktion, die ihren biologischen Sinn hat. Das Harnmarkieren wirkt hier wie ein Ventil für die Katze, um, salopp gesagt, runterzukommen.

 

Manchmal erlebt man Katzen, die vor der Fütterung oder wenn der geliebte Mensch nach Hause kommt ein wenig auf der Stelle trampeln, den Schwanz (wie beim Spritzmarkieren) heben und mit diesem dann Zitterbewegungen vollführen ohne Harn abzusondern (liebevoll bezeichne ich dies als "Zitterschwanz"). Das nennt man dann „Leermarkieren“ und tritt dann auf, wenn die Katze nur leicht erregt ist.

Krankheiten als Ursache

Es gibt einige Erkrankungen der Katze, die ein Harnmarkieren auslösen oder verstärken können.

Daher ist es immer ratsam, bei plötzlichem und/oder stark auftretendem Markierverhaltens den Rat eines Tierarztes/einer Tierärztin einzuholen.

Folgende Erkrankungen können vermehrtes Harnmarkieren nach sich ziehen:

  • alle Harnwegs- und Nierenerkrankungen
  • Diabetes
  • alle schmerzhaften Erkrankungen !
  • FIP
  • FIV
  • Gehirntumoren
  • senile Demenz

Mögliche Auslöser für Harnmarkierungen

Organisch gesunde Katzen, die markieren, sind i.d.R. entweder frustriert/ gestresst, territorial, unsicher oder hegen ganz einfach eine Antipathie gegenüber einer Mitkatze oder einem Menschen (naja, das stresst auch). 

Im Einzelnen:

  • Harnmarkierungen anderer Katzen (siehe unseren Freigänger Sisko)
  • Wahrnehmung(optisch, akustisch, olfaktorisch) von oder Kontakt mit anderen (unbekannten) Artgenossen (wenn z.B. der eigene Kater in der Wohnung den Nachbarskater durchs Fenster sieht)
  •  Stress:
    • soziale Spannungen zwischen Mensch-Katze
    • Langweile, gepaart mit Frust
    • oder mit kätzischen Mitbewohnern im Mehrkatzenhaushalt
    • Veränderungen in unmittelbarem Lebensumfeld der Katze (neuer Partner, neue Mitkatze, Umzug,...)
  •  fremde Gerüche (Schuhe, Handtaschen, Tüten,...)
  •  Angst
  • Hunger

Harnmarkieren im Mehrkatzenhaushalt

Es ist wohl nicht verwunderlich, dass es aufgrund des komplexen und vielfältigen Beziehungsgeflechts, das zwischen mehreren Katzen besteht, besonders im Mehrkatzenhaushalt mit dieser Verhaltensweise, die auch dem Stressabbau dient, zu rechnen ist.

Nämlich dann, wenn

  • plötzlich eine neue Katze hinzukommt (und  diese mehr oder weniger sanft in die Gruppe geschubst wird)
  • eine der Katzen stirbt und eine Lücke im sozialen Gefüge hinterlässt
  • es innerhalb der Katzengruppe  schon immer Probleme gab( dann besteht auch die Gefahr, dass das Harnmarkieren irgendwann instrumentalisiert ist, d.h., es ist zur Gewohnheit geworden und wird nur noch reflexartig ausgeführt, s.o.)

Onlinekurs Stress im Mehrkatzenhaushalt

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Und klar - Menschen, die auf der Warteliste stehen, haben auf jeden Fall die Chance auf den Frühbucherrabatt.


Tipps für weniger Urinpfützen

Ein Segen und daher unverzichtbar, wenn deine Katze markiert: der richtige Reiniger. Der sorgt nämlich dafür, dass die "duften" Moleküle im Harn zersetzt werden und somit kein penetranter Uringeruch zurückbleibt. Und das vermindert deinen Stress spürbar!

Den Biodor Pet Animal Enzymreiniger *kann ich persönlich empfehlen.

  • Führe ein "Sprühtagebuch", in dem du notierst, wer wann wohin markiert hat. Dies gibt dir Aufschluss über die Ursache des Problems. Werden v.a.  Haus- oder Balkontüren, Fenster etc. besprüht, kommt die Gefahr für deine Katze von außen (vlt. ein nicht-kastrierter Kater aus der Nachbarschaft?). Markierte Objekte im Inneren der Wohnung (Sofas, Schränke, Kleinmöbel, Körbchen von Mitkatzen,...) gelten als Zeichen, dass innerhalb der Katzengruppe oder der Katze-Mensch-Beziehung etwas nicht stimmt.
  • Beim Besprühen fremd riechender Gegenstände: Taschen und Tüten hoch stellen, Schuhe in den Schuhschrank,...
  • Ursache Hunger: Das Futter auf 6-8 Mahlzeiten am Tag verteilen, Zwischenmahlzeiten im Fummelbrett servieren (was Spaß macht und daher auch für Glücksgefühle sorgt und nicht für Frust)
  • Wenn eine neue Katze in die bereits bestehende Gruppe kommt: mit der Vergesellschaftung Zeit lassen; einen separat eingerichteten „Katzenraum“ (mit Spielsachen, Liegeplätzen, Toilette, etc.) für den Neuzugang nutzen; Decken austauschen (zur Geruchsvermischung und damit Schaffung einer Gruppenidentität); Revier nach und nach erweitern, auch mal Räume tauschen, wenn möglich; langsame Annäherung durch Netzvorrichtungen (anstelle von Türen); Begegnungen dort angenehm gestalten, positiv verstärken (z.B. mit Leckerchen oder Spiel)
  • Beim Tod eines Tiers aus der Gruppe: Geduld haben, Zeit lassen, besonderes Augenmerk auf Rituale legen, die gemeinsam verbrachte Zeit anderweitig sinnvoll füllen, die Trauerphase der Katze(n) respektieren; auf keinen Fall zu früh eine „Ersatzkatze“ präsentieren (manchmal ist es auch besser, darauf ganz zu verzichten).

  • Bei schon länger bestehenden Spannungen oder Dauerstress: erhöhte Rückzugsorte schaffen, vermehrtes Spielen,...hier ist eine ganz individuelle Beratung sinnvoll oder ein Austausch mit Gleichgesinnten (z.B. im virtuellen  Katzenclub)

⛔Stopp - das geht gar nicht!

Da Harnmarkieren niemals eine Aktion ist, mit der dich deine Katze ärgern will, sind Strafen jeglicher Art absolut tabu!

Mit Geschrei, lautem Geschimpfe oder gar mit dem Werfen von Gegenständen auf deine Katze erreichst du genau das Gegenteil: Sie regt sich noch mehr auf, ist noch verunsicherter als vorher, vertraut dir weniger und wird sich beim nächsten Mal sicher einen anderen Platz zum Markieren suchen.

 

Und zu guter Letzt:

Sind Unsauberkeit und Harnmarkieren das selbe???

Nein, das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.

Harnmarkieren gehört zum normalen Verhaltensrepertoire einer Katze, Unsauberkeit nicht.

Mehr Infos dazu findest du in meinem Artikel "Hilfe - meine Katze ist unsauber!"

 

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Über die Autorin:

Mein Name ist Katja Henopp und ich bin Katzenpsychologin, Tierheilpraktikerin und Kursleiterin.

Ich helfe dir dabei, deine Katzen besser zu verstehen und individuelle Lösungen für die Verhaltensprobleme deiner Katze zu finden.


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