· 

Meine Katze liegt so komisch

oder: Zeige mir, wie deine Katze sitzt oder liegt und ich sage dir, wie es ihr geht!

von Katja Henopp

Katzen richtig lesen und interpretieren zu können, ist das A und O in der Katzenhaltung, denn wie sollst du sonst beurteilen können, wie es deiner Katze geht, was sie gerade braucht und wo der Schuh (naja, eher die Pfote...) drückt!?

 

Einige Verhaltensweisen deiner Katzen verstehst du sofort: Ein Köpfchengeben kann als Aufforderung zum Streicheln aufgefasst werden, ein um-die-Beine-Streichen in der Küche als dezenter Hinweis, doch endlich den Futternapf zu füllen und eine laut schnurrende Katze in Rückenlage drückt tiefes Wohlbehagen aus.

 

Schwieriger wird es dann schon bei der Interpretation von Sitz- und Liegepositionen, die du vlt. nicht bei deiner Katze gewohnt bist.

Plötzlich sitzt oder liegt deine Katze irgendwie komisch da und du weißt nicht, wie du diese Haltung deuten sollst:

Ist ihr langweilig? Hat sie Bauchweh? Oder vlt. Zahnweh? Ist sie gestresst oder hat sie Angst?

Auffällige Sitzpositionen deiner Katzen

Beginnen wir mit den Sitzpositionen:

Alle Fotos zeigen Katzen, die entweder bereits schwer krank sind (der weiße "Maitai" und Sisko im Foto ganz rechts) oder akut unter Schmerzen leiden (Bild 3 zeigt Sisko vor 3 Jahren mit Zahnschmerzen) und die typische Schmerzhaltungen einnehmen.

Immer werden Arme, Beine und Schwanz ganz eng an den Körper gezogen - entweder kauert die Mieze oder sie schlägt die Pfoten unter den Bauch ("Hackbratenstellung") und die Augen sind zugepetzt.

 

Bevor du jetzt in Panik verfällst, weil deine Katze häufiger die Pfoten unter den Bauch zieht, so kann ich dich beruhigen: Oft ist diese Position völlig normal und wird besonders dann von Katzen eingenommen, wenn sie gerade nichts zu tun haben und ein bisschen schauen, was um sie herum passiert. Entweder kommen sie dann angelaufen, wenn du mit Futter oder einem Spielangebot daherkommst oder sie legen sich irgendwann gemütlich hin, um ein kleines Schläfchen zu halten.

Sisko kauert hier zwar, aber du siehst an seinem aufmerksamen Gesicht, dass er die Vorgänge in seinem Revier verfolgt.

Ganz wichtig ist es auch, den Kontext zu beachten:

Frisst deine Katze viel weniger oder nichts, faucht sie plötzlich ihre Mitkatzen an, möchte nicht spielen, sucht deine Nähe oder zieht sich im Gegenteil zurück, dann sollte dich eine Kauerhaltung oder "Hackbratenstellung" hellhörig machen.

 

Achte unbedingt auf ihr Gesicht, insbesondere die Stirn, die Ohrstellung und die Mundpartie.

Das typische Schmerzgesicht einer Katze siehst du hier auf dem Foto (Ergänzung: Die Augen sind schmal). Möchtest du noch mehr draüber erfahren, lies meinen Artikel über Schmerzen bei Katzen.

 

Liege- und Schlafpositionen deiner Katzen

Entspannte Ruhepositionen

Bei den folgenden Fotos kommen wohl keine Missverständnisse auf - Mira und Timber fühlen sich pudelwohl.

Sie liegen lang ausgestreckt, teilweise seitlich oder auf dem Rücken und zeigen auch nicht im entfernsten Schmerzgesichter.

Auffällige Liegepositionen

Hier stimmt etwas nicht!, wirst du zu Recht denken, denn irgendwie sieht Siskos Mimik alles andere als entspannt aus.

Aber er liegt doch ausgestreckt - deutet das nicht darauf hin, dass alles okay ist!?

Leider ist es nicht immer so leicht mit der Deutung der liegenden Katze - da hilft es wieder einmal, sich weitere Fragen zu stellen, die Aufschluss über das Befinden des Katers geben können:

Zieht er sich zurück und hat er kein Interesse an seiner Umwelt geschweige denn am Spiel? Und fressen mag er auch nicht so richtig? Alles trifft zu!? Und das typische Schmerzgesicht mit zusammengekniffenen Augen, "Stirnkrause" und einem abgeflachten Ohr kannst du mittlerweile auch erkennen.

Und so war es auch bei Sisko: Er litt an einer Zahnwurzelentzündung und damit an höllischen Zahnschmerzen (die OP half 😺).

Bei chronischen Schmerzen kommst du nicht darum herum, deine Katze mit einer individuellen Schmerztherapie zu begleiten. Wie wichtig diese ist und wie deutlich du sicher das Befinden von Flo (Arthrose; chronische Schmerzpatientin) aus ihrer Liegeposition heraus deuten kannst, machen diese Fotos deutlich.

Das 1. Foto zeigt eine völlig verkrampft daliegende Flo (zur Erkläung: Sie erbrach vorher ihr Futter incl. Schmerzmittel), das 2. eine gemütlich eingekugelte, entspannte Katze (ca. 30 Minuten nach Gabe ihres Schmerzmittels).

Doch so einfach mit der Interpretation ist es nicht immer, wie die folgenden Aufnahmen beweisen:

Einer der beiden Kater ist fürchterlich gestresst und möchte mit seiner Umwelt momentan nichts mehr zu tun haben, der andere hält ein gemütliches Schläfchen.

Den Stresskater findest du in diesem Artikel wieder.

Dieses Foto von Maitai möchte ich dir nicht vorenthalten, da ich diese Schlafposition (!!!) meines Katers vor vielen Jahren leider völlig verkannte.

Der arme Kerl konnte sich phasenweise gar nicht mehr richtig hinlegen, da er an einem verdickten Herzen litt (HCM) und das Herz im Liegen gar nicht mehr in der Lage war, sein Blut kraftvoll durch den Katzenkörper zu pumpen.

Seine Therapie hätte wesentlich früher beginnen können, hätte ich die Sprache meines Katers besser verstanden.

 

Du siehst, wie wichtig es ist, wenn du deine Katzen kennst und auch weißt, welche Informationen du sogar aus Sitz- und Liegepositionen herausfiltern kannst. Nutze dieses Wissen für deine Katzen und gib es gerne an andere fürsorgliche Katzenhalter weiter!

Alles Liebe,

deine Katja

 

P.S.: Mitglieder meines Katzenclubs wissen mehr und erhalten jederzeit Unterstützung.

 

Du möchtest mehr über meinen Online-Katzenclub erfahren?

 

👉Hier erhältst du Infos zum Mitgliederbereich

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Nicole (Sonntag, 13 Oktober 2019 22:48)

    Ein wunderbarer Artikel Katja! Wirklich klasse geschrieben und sehr anschaulich mit den dazugehörigen Bildern.
    Ein dickes Lob von einer "Kollegin"��