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Katzen sind kein Besitz - sie gehören zur Familie!

Eine der ersten Fragen, die meine neuen Kunden auf meinem Fragebogen beantworten müssen, lautet: "Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Katze, welches Ziel wollen Sie erreichen?"

 

Erfreulicherweise bekomme ich selten Aussagen, die mich stutzen lassen und noch seltener solche, die mich schaudern lassen:

"Ich möchte, dass meine Katze ins Klo macht und nicht die Couch verpinkelt!", oder: "Meine Katze soll nicht mehr an dem teuren Sofa kratzen."

Verständlich, dass es einen ärgert, wenn das Sofa ruiniert wird, doch nach meiner Lesart steht bei diesen Menschen nicht unbedingt das Wohl der Katze im Mittelpunkt, sondern das kostbare Möbelstück.

 

Die Einstellung, die solche Aussagen wiederspiegeln, ist von Besitzdenken geprägt, welches die Katze zu einem Objekt degradiert, das gefälligst den eigenen Erwartungen zu entsprechen hat.

Und die Erwartungen lauten hier ganz konkret: Du hast unter allen Umständen in dein Katzenklo zu pinkeln. Du darfst dich nicht an der Couch kratzen!

Erwartungen an das Haustier Katze

Warum leben wir mit Katzen zusammen? Warum lebst DU mit Katzen zusammen?

Weil du jemandem zum Kuscheln brauchst?

Weil du einsam bist?

Weil Katzen so beruhigend wirken und Trost spenden?

Weil du keine Kinder hast, dich aber um ein Lebewesen kümmern möchtest?

 

Diese Gründe sind alle menschlich, verständlich und legitim; einige davon können jedoch dazu führen, dass du von deinen Katzen folgende Eigenschaften erwartest:

 

Lieb sein. Schön sein. Nicht kratzen und beißen. Leise sein. Immer schmusen wollen. Süß anzusehen. Pflegeleicht sein.

 

Klingt für mich wie die Beschreibung eines Stofftieres, welches man besitzt, aber nicht wie die eines fühlenden, denkenden, einzigartigen Lebewesens, das Teil des eigenen Lebens ist.

 

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die deswegen mit Katzen zusammenleben, weil sie das eigene Leben bereichern!?

Dann hättest du auf meine Frage vermutlich ähnlich geantwortet wie die meisten meiner Kunden...

Katzen wert schätzen

Zurück zu eben jenem Fragebogen...

 

Glücklich machen mich Menschen, die antworten: "Es wäre toll, seine Bindung zu mir zu stärken", oder: "Ziel sollte sein, dass Leo entspannt und angstfrei in Gemeinschaft mit Teddy leben kann und sich frei und wohl fühlt."

 

Da geht mir das Herz auf!

 

Mit genau diesen Menschen verbindet mich ein gemeinsamer Wert oder eine sehr ähnliche Ansicht darüber, wie wir mit unseren Katzen leben möchten und was sie uns bedeuten: Sie sind geliebte, geschätzte Familienmitglieder.

 

Die Frage nach dem "Warum"

Wie sähe deine erste Reaktion aus, wenn du erfährst, dass dein 11jähriger Sohn einen Schulkameraden geschlagen hat? Du würdest fragen: "Warum hast du das getan?" und nach Antworten suchen, weil du deinen Sohn unbedingt verstehen  möchtest, um ihm dann die bestmögliche Unterstützung (und deine Liebe) zu geben.

 

Deine Schwester wird beim Klauen erwischt - du würdest wissen wollen, was Ihre Gründe für ihre kriminellen Handlungen waren, um sie verstehen zu können.

 

Und jetzt stell dir vor, deine Katze pinkelt auf die Couch oder verkloppt eine der Mitkatzen - was würdest du tun?

 

Sie wegsperren oder abgeben, weil dir dein Sofa oder deine Ruhe wichtiger sind?

 

Oder stellst du die Frage nach dem "Warum", wie du es bei deinen menschlichen Familienmitgliedern auch tun würdest?

Unsere Katzen gehören zur Familie!

Was meine ich damit? Lass es mich an einem Beispiel erklären:

Auf dem Foto siehst du meine (leider im Juli 18 verstorbene) geliebte Katzenomi Flo zwei Monate vor ihrem Tod zusammen mit mir bei einem Fotoshooting. Auch mit 19 Jahren ist sie begeistert bei der (Clicker-)sache.

Wenn Katzen so alt sind, lassen oft ihre Sinnesleistungen nach, sie werden starrsinnig und leiden an allen möglichen Wehwehchen.

Mein Flöchen litt lange Jahre unter Arthorseschmerzen, wurde zunehmend schwerhöriger und entwickelte im letzen Jahr an einer Pfote einen blutenden Hauttumor.

In der Realität stellte sich dieser Zustand so dar: Sie miaute oft so laut, dass es die gesamte Nachbarschaft mitbekam (auch früh morgens), sie pinkelte häufiger über den Rand des Katzenklos und hinterließ Blutflecken auf Bettdecken, Kissen und Körbchen.

 

Laut. Anstrengend. Nervig. Unhygienisch.

 

Und weißt du, was noch!?

 

Liebenswert. Klug. Originell. Sanft. Dickköpfig. Bezaubernd. Anschmiegsam. Lebensfroh.

 

Eine richtige Katzenpersönlichkeit eben, die es als Familienmitglied verdiente, dass ich sie nach dem "Warum" fragte:

 

Sie miaute so laut, da sie nahezu taub war und ihre eigene Stimme nur hörte, wenn sie förmlich schrie.

Sie tat dies auch früh morgens, weil sie Hunger hatte.

Sie urinierte manchmal über den Toilettenrand, weil sie mit dem Hinterteil schmerzbedingt immer höher ging, um es  bequemer zu haben.

 

Verständliche Gründe, oder!?

 

Also besorgte ich ein größeres Klo mit bequemem Einstieg und legte Wickelunterlagen aus.

Wenn sie frühmorgens aus Hunger miaute, stand ich auf und gab ihr zu fressen.

Schrie sie, weil sie desorientiert war oder mich suchte, ging ich zu ihr hin und streichelte sie (dann war immer alles gut).

Und Blutflecken lassen sich leicht rauswaschen.

 

Empathie, Verständnis, Liebe & Kompromissbereitschaft

Es wird immer schwierige Situationen geben, in die wir mit unseren Katzen geraten können; in der wir unsere Fellnasen vielleicht nicht gleich verstehen oder wir sie als anstrengend empfinden.

 

Mach bitte nicht den Fehler, sie mit unrealistischen Erwartungen zu überfrachten und sie als Besitz anzusehen; so wirst du nur eine sehr einseitige, niemals vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufbauen können.

 

Sei bereit, sie wie echte Familienmitglieder zu behandeln, indem du

  • Verständnis für ihr Verhalten zeigst,
  • ihnen mit Empathie begegnest,
  • kompromissbereit bist und ihnen
  • deine Liebe schenkst.

Über die Autorin:

Mein Name ist Katja Henopp und ich bin Katzenpsychologin, Tierheilpraktikerin und Kursleiterin.

Ich helfe dir dabei, deine Katzen besser zu verstehen und individuelle Lösungen für die Verhaltensprobleme deiner Katze zu finden.


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