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Diagnose CNI

Das Schreckgespenst aller Katzeneltern hat nun auch mich und meinen Kater Sisko heimgesucht: die gefürchtete, weil nicht heilbare Chronische Niereninsuffizienz der Katze (kurz CNI genannt).

 

Ja, Sisko ist ein Oldie (er ist geschätzte 16 Jahre alt) und ja, seine Nierenwerte liegen seit Jahren im oberen Normalbereich (warum nicht ein paar Jahre länger?), aber dann traf  mich die Diagnose und v.a. der (gefühlt) sprunghaft gestiegene Kreatininwert doch eiskalt und unvorbereitet.

(Weitere Blutwerte, wie z.B. ein zu hoher Harnstoffgehalt, weisen eindeutig auf eine CNI hin; ein hoher Kreatininwert alleine ist auf keinen Fall aussagekräftig!)

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, gab es schon länger Anzeichen dafür, dass Siskos Niere ihre Funktion immer mehr einbüßt; aber ich verdrängte und hoffte, dieses einige Jahre dauernde 2. Stadium der CNI würde uns noch länger erhalten bleiben.

Wenn du dich genauer in die medizinischen Fakten einlesen willst, dann klicke hier und hier.

Typische Anzeichen einer CNI in Stadium 2

Mein Sisko, FIV positiv, und schon seit Jahren immer mal wieder anfällig für alle möglichen Infekte, zeigte in den letzten 3-4 Jahren vermehrten Durst, häufigen Urinabsatz (5-6 mal am Tag) und hin und wieder "Stimmungsschwankungen". Du kennst das vielleicht, wenn du meinst, deine Katze sei heute aber "schlecht gelaunt".

Meiner Erfahrung nach liegt dies entweder an psychischem Stress oder an einer körperlichen Missempfindung wie Übelkeit, Schmerz oder Juckreiz. Mit anderen Worten: Es gibt immer einen Grund und der sollte, tritt diese "Übellaunigkeit" häufiger auf, unbedingt gefunden werden.

Allerdings ist dies bei unseren Katzen manchmal gar nicht so einfach, denn sie sind wahre Meister darin, ihre kleineren und größeren Wehwehchen zu verbergen.

So konnte ich bei Sisko nicht eindeutig erkennen, ob er unter Bauch-, Rücken- oder Nierenschmerzen litt.

 

Woran erkenne ich, dass die Niere schlapp macht?

Da mein Kater auch an Spondylosen (degenerative Wirbelveränderungen) im Lendenwirbelbereich leidet, tippte ich zunächst auf Schmerzen im Rückenbereich und behandelte ihn entsprechend mit einer Schmerztherapie.

 

Und siehe da: Sisko ging es richtig gut - meistens zumindest: Er spielte wie ein junges Kätzchen, raste auf Bäume und verkloppte seine Baldrianrolle.

Genau das ist das Tückische an einer chronischen Erkrankung der Niere: Sie verläuft schleichend und offenbar in Schüben - nahezu symptomfreie, ausgelassene Zeiten wechseln mit Stunden voller Schmerz und Übelkeit (abhängig vom Harnstoffgehalt im Blut, der nach einer Mahlzeit ansteigt).

 

Diese Symptome, die Sisko bisweilen zeigte, sollten dich aufmerken lassen, wenn du das Gefühl hast, mit deiner Katze (speziell der Niere) sei etwas ganz und gar nicht in Ordnung:

  • Das Köpfchen wird zunächst häufig hoch gelegt (s.Foto) und nach mehreren Minuten erst gemütlich abgelegt.
  • Das Fell steht im Rückenbereich (Nierenschmerz) manchmal ab.
  • Die typische "Kauerstellung" wird deine Miez dann einnehmen, wenn ihr übel ist.
  • Die Flanken fallen ein wenig ein ( die Niere schrumpft).
  • Die Katze wird wählerischer und lässt Futtersorten stehen, die sie am vorherigen Tag noch mit Begeisterung wegputzte.
  • Die Katze traut sich nicht mehr so viel zu, sie wird vorsichtiger und/oder schreckhafter. Sisko z.B. geht Auseinandersetzungen mit anderen Katzen aus dem Weg und hat sein Revier stark verkleinert.
  • Eine Katze, der es nicht gut geht, wird i.d.R. anhänglicher und verschmuster.

Als Sisko vor drei Wochen zunächst Gras, dann Haarballen und schließlich sein Futter mit Haarballen erbrach (übrigens mit ungebrochenem Appetit und "guter Laune"), beschloss ich, jetzt sei es an der Zeit, ein neues Blutbild erstellen zu lassen.

Das Resultat kennst du bereits: Kreatininwet bei 3,2; Diagnose: CNI, 3. Stadium.

 

Die "Nierenkrise"

Ehrlich gesagt war das ein richtiger Schock gerade für mich, die doch vom Fach ist und Kundenkatzen an der Nasenspitze ansieht, was nicht stimmt.

Ich glaube, ich verdrängte den Gedanken mehrere Wochen erfolgreich, Siskos Niere und nicht der Bewegungsapparat könne die Ursache für seine Verhaltensänderungen sein. Nachdem ich meine geliebte Flo letztes Jahr gehen lassen musste, bin ich noch nicht bereit, meinem Herzenskater Sisko Lebewohl zu sagen.

 

Doch zwei Tage nach meinem Besuch bei meiner Tierärztin kam sie, die gefährliche Nierenkrise: Sisko erbrach in den frühen Morgenstunden angedautes Futter, dann noch ganze viermal, bis nur noch Schaum kam.

 

Innerhalb weniger Stunden mutierte mein munterer, verfressener Kater zu einem jämmerlichen Fellbündel, das schwer atmend in meinem Bett lag und von Wasser-, geschweige denn Futteraufnahme nichts wissen wollte.

Auf keinen Fall darf es zu einer Dehydration (Austrocknung) des Patienten kommen, da sonst die vorgeschädigte Niere nicht mehr genügend durchblutet wird und sich giftige Stoffwechselendprodukte im Körper anreichern.

 

Die Mittel der Wahl sind:

  • eine Infusionstherapie (subcutan) sowie
  • ein Antiemetikum (Anti-Brechmittel) für Katzen.

Genau das bekam Sisko, was nach einigen Stunden auch Wirkung zeigte: Meine Fellnase krähte wieder vergnügt in der Gegend herum und verlangte nach Futter und Streicheleinheiten.

 

Klar, dass ich erleichtert und happy war.

 

Doch ich wusste natürlich auch, wie entscheidend  die nächsten Stunden, nachdem die Wirkung des Antiemeetikum nachgelassen hatte, für die gesundheitliche Zukunft  meines Katers waren.

 

Das große Zittern begann; argwöhnisch beobachete und interpretierte ich jede Regung, jeden Lagewechsel meines Lieblings. Tatsächlich blieb der große Einbruch aus; Sisko kauert zwar hin und wieder, wenn ihm übel ist, aber er fordert sein Futterspiel ein, erzählt mir beim Reinkommen, was in seinem Revier los war, kommt zum Schmusen und genießt die Sonne.

Meine ganz persönlichen Empfehlungen für CNI-Katzen

Katze in Karton
Sind die Leckerchen etwa schon alle?

Damit mein Kater weiterhin noch lange stabil bleibt, bekommt er von mir

  • das Allerwichtigste: ausreichend Flüssigkeit! Trinkbrunnen ( am besten nicht aus Plastik, sondern Keramik) regen zur Flüssigkeitsaufnahme an: Lucky-Kitty Keramik Katzenbrunnen*
  • meine Spezialmischung Sahnequark mit Wasser, um den Flüssigkeitshaushalt positiv zu beeinflussen und ihn mit hochwertigem Eiweiß, Fett und Kalorien zu versorgen. Unser Ritual findet morgens und abends statt; von sich aus nimmt er es nicht zu sich, ich muss ihm den Löffel mit der Flüssigkeit hinhalten, dann schlabbert er alles brav und bis zum letzten Tropfen auf.
  • Nassfutter mit hohem (Muskel-)fleischanteil (Nierennassfutter mag er nicht) und als Spieleinsatz phosphorreduziertes Trockenfutter (in Maßen). Ich biete ihm mehrmals am Tag kleine Portionen an.
  • homöopathische Einzelmittel zur unterstützenden Therapie; momentan leistet Solidago C3 wunderbare Dienste; je nach Symptomatik kommen u.a. noch Berberis, Lespedeza sieboldii und Arsenicum album in Frage (lass dich beraten und erkundige dich auch nach der SUC-Therapie von Heel).

Fazit: Es gibt Hoffnung - auch Katzen im fortgeschritteneren Stadium der CNI können noch lange ein qualitativ hochwertiges Leben führen😺.

 

Update 11. Mai 19:

Sisko geht es gut - so gut, wie es einem "Nierenkater" gehen kann.

Er bekommt einen von mir speziell für ihn zusammengstellten Cocktail aus homöopathischen Einzelmitteln, schlabbert brav seinen geliebten Quark, futtert ordentlich (!) und hat  seit drei Wochen nicht mehr erbrochen🙏!

Und heute in den frühen Morgenstunden hat er seit langer Zeit mal wieder eine Maus mit nach Hause gebracht und diese katzengerecht entsorgt😸. Es sei ihm vergönnt😻!

 

Update 6. September 19:

Sisko ist stabil, seitdem ich ihm Phosphatbinder unters Futter mische und darauf achte, dass er genügend trinkt, was nicht immer einfach ist.

Spezielle Katzendrinks helfen super, die Flüssigkeitsmenge zu erhöhen - mein Kater schlabbert es glücklicherweise gerne: Kattovit Niere/Renal-Drink*

Deshalb, ihr lieben CNI-Katzenhalter*innen: Die Diagnose "CNI" muss kein Todesurteil sein und sollte dich daher auch nicht entmutigen. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie du deiner Fellnase das Leben leichter machen kannst💕.

(Hinweis: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.)

Über die Autorin:

Mein Name ist Katja Henopp und ich bin Katzenpsychologin, Tierheilpraktikerin und Kursleiterin.

Ich helfe dir dabei, deine Katzen besser zu verstehen und individuelle Lösungen für die Verhaltens- und Gesundheitsprobleme deiner Katze zu finden.

 

 


Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    ursi_h (Donnerstag, 02 Mai 2019 21:09)

    Liebe Katja !
    Ich wünsche Dir & Sisko ALLES GUTE!
    Ich habe 2 CNI-Katzen. Gini (18) Stadium 2-
    Der CRE-Wert von Tom (16) liegen leider bei 10,8.

  • #2

    Scheck Beata (Samstag, 27 Juli 2019 22:26)

    Hallo Katja,
    Wir haben uns (mein Mann und ich)vor 8 Jahren Siam Geschwister Chico und Lilly.( 9 Jahre)aus dem Tierheim geholt.
    Am 25.07.20019 haben wir unsere Lilly gehenlassen müssen � weil die Nieren wollten nicht mehr.
    Jetzt eine Frage:kann sein das unsere Kater möglicherweise das gleiche Erben kann wie seine Schwester ?
    Momentan gehts ihm dementsprechend (nach Verlust seine Schwester) gut.
    Wie merke ich das er Probleme mit die Nieren hat?
    Wie kann ich vorbeugen das nicht soweit kommt?
    Liebe Grüße
    Beata

  • #3

    Katja Henopp (Montag, 29 Juli 2019 09:41)

    Hallo Beata,
    es kann einen erblichen Zusammenhang geben - muss aber nicht.
    Die Frühsymptome sind relativ unspezifisch: vermehrtes Wassertrinken, mäkeliges Fressverhalten, unbequemes Liegen .
    Ich empfehle einen jährliche oder sogar halbjährliche Kontrolle der Nierenwerte und des Früherkennungswertes SDMA (das erklärt dir dein Tierarzt genauer).
    Ansonsten achte darauf, dass Chico ausreichend trinkt (mehrere, verschiedene Wasserstellen) und TroFu nur als Spieleinsatz oder Belohnung bekommt. Um chronischen Stress zu vermeiden, gibt es ein gutes Rezept: optimale Wohnbedingungen und jeden Tag spielen!
    Alles Gute
    wünscht dir und Chico
    Katja