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Katzen bestrafen mit der guten alten Wasserpistole...

...ist meistens keine gute Idee

Obwohl meine Studentenzeit schon eeeewig lange zurückliegt, in der ich drei Jahre lang in einer wunderbaren WG (mit Katze) lebte, kann ich mich noch sehr gut an die Erziehungsmethoden meiner Freundin erinnern. Ihre Katze "Putzi" wurde immer dann mit einem Schuss aus der Wasserpistole bestraft, wenn sie sich an unserer (alten, gammeligen) Couch kratzte.

Der Wasserstrahl zeigte seine Wirkung dahingehend, dass Putzi von ihrer Tätigkeit abließ, um ein anderes Mal ihr Werk fortzusetzen.

Diese  Erziehungsmethode war also wenig effektiv, beeindruckte die sehr in ihrem Charakter gefestigte Katzendame (scheinbar?) auch nur wenig.

 

Wir hatten damals wirklich keinen blassen Schimmer von Katzenerziehung.

 

Gründe, die  Spritzpistole zu verwenden

Katze am Kratzbaum

 

Katzen kratzen sich, wenn ihnen keine geeigneten Kratzstellen zur Verfügung stehen, an der sündhaft teuren Couch - oder auch an einer alten wie vor langer Zeit unserer.

 

Einige markieren hin und wieder aus diversen Gründen  mit ihrem Harn Möbelstücke, Wände oder Elektrogeräte.

 

Und manche Katze sucht sich zum Urinieren eine weiche Unterlage wie den Badezimmervorleger und meidet ihr Katzenklo.

 

Dagegen muss ich doch etwas tun, oder nicht!?

 

Unbedingt - aber etwas Sinnvolles...und der Wasserstrahl aus der Spritzpistole gehört definitiv nicht dazu.

Warum eine Erziehung mit der Wasserpistole ungeeignet ist

Kratzen an Möbeln

Versetzen wir uns einmal in die Lage eines gelangweilten Wohnungskaters, nennen wir ihn Bilbo,  der seinen Frust abbauen will: Er tut dies, indem er seine Krallen in die Sofapolsterung schlägt und sich hingebunsvoll streckt und kratzt.

Sein Mensch, nennen wir ihn  Alex, registiert dies, nimmt seine vorher präparierte "Waffe" und feuert einen gezielten Wasserstrahl in Richtung Kater ab und trifft ihn in den Nacken. Bilbo lässt verdutzt ab, schaut sich nach dem Auslöser um und sieht, wie sein Mensch erneut abdrückt und ihn knapp verfehlt. Wer jetzt denkt, unser Kater würde nun ängstlich die Flucht ergreifen, der irrt - er ist nämlich ein sehr selbstbewusster, kluger und aktiver Rabauke, der sich gleich noch einmal am Sofa kratzt, dabei zu Alex schaut, um seine Theorie zu überprüfen.

Und siehe da - sein Mensch zieht erneut die Wasserpistole und zielt auf ihn - welch ein Spaß! Bilbo rast in wilden Sprüngen davon - endlich ein Spiel nach seinem Geschmack!

Die Strafe bzw. Erziehung, die Alex im Sinn hatte, hat ihren Zweck wohl gründlich verfehlt.

 

Natürlich kann eine Katze auch ganz anders auf den Wasserstrahl reagieren - je nach Persönlichkeit, Selbstvertrauen und bisher gemachten Erfahrungen:

 

  • Sie erschrickt, bekommt Panik, meidet den Platz und kratzt sich an einer anderen Stelle - denn sie hat gelernt, sich nicht an dieser Stelle der Couch zu kratzen.
  • Sie erschrickt, läuft weg und reagiert misstrauisch auf ihren Menschen, wenn der sich auf einen bestimmten Platz setzt, von dem aus er gefeuert hat oder wenn er mit einem ähnlichen Plastikgegenstand auf sie zukommt.

Da Katzen sehr wohl verstehen, wer hinter dem Angriff mit der Wasserpistole steckt, ist es nur logisch, wenn das Vertrauen darunter leidet.

Zudem bleibt das Grundproblem bestehen und das heißt im Fall von Bilbo: Langeweile durch Unterbeschäftigung.

Und da hilft nur eines: Spielen, spielen, spielen! 

Übrigens langweilen sich Einzelkatzen genauso wie Katzen, die mit( mehreren) Artgenossen zusammenleben, denn Katzenkumpels können Jagdspiele nicht ersetzen.

Da sind dann Alex gefragt - und du! Und ja, ich auch.

 

Unsauberkeit und Harnmarkieren

Kater markiert

Katzen, die in der Wohnung Möbelstücke, Wände und Taschen mit ihrem Urin besprühen, sollte man natürlich auch nicht mit der Wasserpistole bestrafen, denn dadurch verunsichert man die Tiere (aus ihrer Sicht sichern sie vlt. gerade das Haus vor Eindringlingen) und verschlimmert das Problem noch.

 

Sogar gesundheitsgefährdend für die Katze kann es werden, wenn ihr Mensch sie mit der Wasserpistole "erziehen" will, nämlich dann, wenn Mieze dabei ist, sich auf den Teppich zu erleichtern.

 

Versetzen wir uns noch einmal in die Lage der Fellnase mit Namen Lilly: Ihr Katzenklo stinkt ihr buchstäblich, da es zu selten gereinigt wird und zudem eine Haube besitzt, welche den Urin- und Kotgeruch im Inneren des Behältnisses so konzentriert, dass es für die empfindliche Katzennase eine Zumutung ist.

Der hochflorige Teppich im Wohnzimmer dagegen ist so flauschig, die Luft ist klar und der Rundumblick hervorragend (schließlich will Lilly gegen Feinde gewappnet sein), dass die Katzendame es vorzieht, sich an dieser Stell zu erleichtern - verständlich, oder!?

 

Wird sie in diesem Prozess von einem harten Wasserstrahl getroffen, wird sie wahrscheinlich diesen Pinkelplatz für immer meiden und sich einen anderen suchen - ganz sicher aber nicht ihr verhasstes Katzenklo. Gelernt hat sie ja, dass es unangenehme Folgen für sie hat, an DIESER Stelle zu urinieren.

 

Wird sie auch noch an anderen Stellen für ihr Verhalten bestraft, kann es sein, dass sie den Prozess des Ausscheidens an sich mit dem bedrohlichen Wasserstrahl verbindet. Als Folge davon, wird sie "anhalten", bis ihre Menschen das Haus verlassen, was zu  gesundheitlichen Problemen führen kann, z.B. zu einer Blasenentzündung.

 

Und auch hier verhält es sich so wie bei Kater Bilbo: Die Ursache des unerwünschten Verhaltens (also des Kratzmarkierens und der Unsauberkeit) liegt weiterhin im Dunkeln.

Erziehungstipps für die kratzende Katze

Katze auf Kratzpappe
Ok., zum Schlafen ist es auch geeignet ...

 

Leg die Wasserpistole als Werkzeug zur Katzenerziehung weg, ja, auch bei Katzen, die an teuren Möbeln kratzen.

Wie du es dennoch schaffst, dass deine Katze das Sofa verschont und sich nur noch dort kratzt, wo sie es auch darf, lies diesen Artikel:

👉Wie gewöhne ich meiner Katze das Kratzen ab?

Wasserpistole erlaubt

Du siehst, es geht auch ohne Spritzpistole ...eine Ausnahme gibt es allerdings:

 

Hat deine Katze massiven Ärger mit einer Nachbarskatze, die ihr im eigenen Revier das Leben zur Hölle macht, darfst du ohne schlechtes Gewissen zur Abwehr mit Wasser greifen - schließlich möchtest du deine Katze schützen und bist zudem nicht an einer guten Beziehung zum Katzeneindringling interessiert; und Verletzungsgefahr besteht auch nicht.

 

Da ist das Geld ja dann doch noch gut investiert!

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