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Wann ist es Zeit zu gehen!??

 

Vom richtigen Zeitpunkt des Loslassens

Vor einigen Tagen musste ich mich von meiner geliebten Katzenomi Flo trennen, die mich fast 19 Jahre meines Lebens durch Dick und Dünn begleitet hat.

 

Ihre Abwesenheit schmerzt, sie fehlt an jedem Ort, in jeder Minute.

 

Das Haus ist zu still, die Couch zu leer, die Zeit zu lang.

Ich finde ein wenig Trost in dem Gedanken, den richtigen Zeitpunkt für ein friedliches Dahingleiten meiner Flo in den Tod gefunden zu haben.

 

Woran erkenne ich, wann es zeit ist, mein geliebtes tier gehen zu lassen?

Meine Beobachtungen, meine Sachkenntnis über den Sterbeprozess, meine Vertrautheit mit meinem Tier ließen in mir ein Gefühl reifen, das mich ganz ausfüllte: Es ist so weit, es gibt keine Hoffnung mehr, keine Schmerzfreiheit, keine Lebensqualität mehr, also beende ihr Leid!

Das tat ich und bin meiner Tierärztin, die zu uns nach Hause kam, unendlich dankbar für ihre Empathie und die Möglichkeit, Flo einen friedvollen Tod ohne zusätzlichen Stress, ganz zu schweigen von Schmerzen und Angst, zu gewähren.

Eine Überdosis Narkosemittel reichte, ihren geschwächten Körper sanft einschlafen zu lassen; dieser Vorgang hatte nichts Grausames, nichts Beängstigendes an sich, sodass ich mit friedlichen Bildern vor Augen auch an ihr Sterben denken kann.

Vielleicht hast du, die du diesen Text bis hierhin gelesen hast, auch schon einmal oder sogar schon mehrere Male vor dieser Entscheidung gestanden (oder wirst es in Zukunft): Wann ist der Zeitpunkt gekommen, mein geliebtes Tier gehen zu lassen?

 

Möglicherweise machst du dir im Nachhinein noch Gedanken darüber, ob deine damalige Entscheidung richtig war oder machst dir gar Vorwürfe.

 

Daher möchte ich dir aus meiner ganz persönlichen Erfahrung und meinem Wissen heraus einige wertvolle Tipps an die Hand geben, die dir bei deiner schweren Entscheidung helfen können.

 

Veränderte Verhaltensweisen

Drei Tage vor ihrem Tod beschloss meine kluge Flo, die Treppe zum Dachboden zu erklimmen, sich auf das Gästebett zu legen und diesen Raum nicht wieder zu verlassen.

Sie rief nicht mehr lautstark nach mir, wenn sie Hunger hatte oder schmusen wollte.

Sie trank Wasser, wenn ich es ihr anbot, nahm Fleischstücke aus meiner Hand und verschlang sie gierig.

Nur einmal pro Tag stand sie auf, um vorschriftsmäßig  in ihr eigens für sie aufgestelltes Katzenklo zu urinieren - Kot setzte sie keinen mehr ab.

Nur mit Opiaten gelang es mir, ihr relative Schmerzfreiheit zu ermöglichen. In guten Momenten rollte sie sich halb ein, präsentierte ihren Bauch, kniepelte mit den Augen und genoss schnurrend mein Streicheln.

Die Nacht verbrachten mein Kater Sisko und ich bei ihr auf dem Bett - meine körperliche Nähe tat ihr sichtlich gut und meist schlief sie, an meine Brust geschmiegt, ihr Köpfchen auf meinem ausgestreckten Arm, einige Stunden am Stück durch.

Die Verhaltensweisen, die sie zeigte, sind ganz typisch für das 1. Stadium des Sterbeprozesses:

Die Katze sucht sich einen ruhigen Ort, oft einen, an dem sie sonst kaum zu finden ist, und verlässt diesen nicht mehr.

Der Stoffwechsel wird zunehmend gedrosselt, Niere und die Verdauungsorgane arbeiten nur noch sehr eingeschränkt; normalerweise verlangsamen sich auch die Atmung und der Herzschlag. Bei Flo verstärkte sich die Atemfrequenz, was damit zusammenhing, dass sie zeitweise unter Schmerzen litt. Dennoch frisst das Tier selbstständig.

Die aktive Teilnahme am Geschehen um sie herum nimmt stark ab und die Katze schläft viel.

Wie kann ich meine Katze in diesem Stadium unterstützen?

Sorge dafür, dass sie keine Schmerzen erleiden muss und lass dich von der Tierärztin deines Vertrauens beraten, welche Schmerzmittel in Frage kommen.

Akzeptiere den Platz, den sich dein Liebling ausgesucht hat und versuche auch nicht, die Liegeposition deines Patienten zu verändern. Natürlich kannst du ihm ein Kissen oder Decken hinlegen, die er nach Bedarf benutzen kann.

Sei einfach da! Leg dich zu deiner Fellnase, ohne sie zu bedrängen, lege ihr eine Hand auf den Rücken, streichele sie, wenn du das Gefühl hast, sie genießt es. Meine Flo kugelte sich dann wie in alten Zeiten ein, blinzelte mich an und schnurrte leise. Ich weinte nicht oder zeigte ihr meine Verzweiflung, sondern agierte  so normal wie möglich. Sie sollte weder beunruhigt sein noch Anlass zu Angst haben.

Bitte versuche auf keinen Fall, wenn deine Katze schwächer wird und selbtsttätig keine Nahrung mehr zu sich nehmen möchte, sie zwangszuernähren. Es gibt einen guten Grund, warum todkranke Lebewesen keine Nahrung und später auch keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen: Der Körper schüttet dann vermehrt Endorphine ("Glückshormone") aus, die den Schmerz reduzieren und für mehr Wohlbefinden sorgen. Und genau das möchtest du doch, oder!?

Ich rate dir auch, dich mit dem natürlichen Sterbeprozess auseinanderzusetzen, damit du weißt, was auf dich zukommt und was du für deine Katze tun kannst.

Stelle dir auch die Frage, wie hoch die Lebensqualität deines Lieblings  noch ist - reicht es tatsächlich, wenn er zwar noch ein wenig frisst, aber den Rest der Zeit unter starken Medikamenten steht und von seiner Außenwelt nichts mehr mitbekommt, sich nicht mehr freuen oder am Leben aktiv teilhaben kann?

Auch ich musste mir diese quälenden Fragen stellen und eine ehrliche Antwort darauf finden, wobei ich mich manchmal überfordert fühlte und mir wünschte, jemand mit mehr Erfahrung würde mir diese schwere Entscheidung abnehmen.

Wie tröstlich wäre es für mich gewesen, Flo wäre friedlich in meinen Armen gestorben, aber leider kam es dazu nicht.

Den Ausschlag für meine Entscheidung, sie von Ihrem Leiden zu erlösen und ihren Verlust für mich in Kauf zu nehmen, gab zum einen ein neuer Tumor, der sich innerhalb von drei Tagen in ihrem Mäulchen manifestierte und zum anderen der Umstand, dass auch die Schmerzmittel langsam ihre Wirkung verloren und Flo zusehends unruhiger wurde.

Ist deine Katze einfach "nur" alt und versagen ihre Organe langsam, sodass sie zwar fast rund um die Uhr schläft, aber keine Schmerzen hat, überleg dir, ob du es aushältst, sie "einfach" sterben zu lassen. Erkundige dich, ob es in deiner Nähe Sterbebegleiter gibt, die dich in dieser schwierigen Zeit unterstützen können.

du hast dich entschieden - und nun?

Schon vor einigen Monaten, als Flo ein körperliches Tief hatte, fragte ich meine Tierärztin, ob sie, wenn es soweit sei, auch zu uns nach Hause komme, um die Euthanasie vorzunehmen, was sie - welch eine Erleichterung - bejahte.

 

Auch du solltest dir, wenn möglich, darüber Gedanken machen, wo du deine Katze einschläfern lässt, wenn es nötig ist. Erkundige dich bei deiner Tierärztin, ob sie Hausbesuche macht oder du mit dem todkranken Patienten in die Praxis fahren musst. Lass dir vorher erklären, wie eine Euthanasie abläuft, damit du einigermaßen vorbereitet bist.

Verabschiede dich von deinem geliebten Tier und versuche dennoch, gefasst zu bleiben; bleib auch bei deiner Fellnase, wenn es so weit ist und rede beruhigend und liebevoll mit ihr, streichele sie, halte Körperkontakt. Signalisiere deiner Tierärztin, wann du bereit bist, lass dir Zeit, setze dich nicht unter Druck.

 

 

 

Ob du deine Katze lieber beerdigen oder verbrennen lassen, ob du die Asche in einer Urne aufbewahren möchtest, wie lange du für den endgültigen Abschied brauchst - das liegt in deiner Hand und du wirst es so umsetzen, wie es sich für dich richtig anfühlt.

 

Meine Flo wird Teil meines Gartens werden und bleibt für immer in meinem Herzen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Diana (Mittwoch, 25 Juli 2018 17:19)

    Liebe Katja,

    auch ich musste diesen Schritt bereits einmal machen und meinen damals nierenkranken, gerade einmal 5 Jahre alten Kater einschläfern lassen. Ich kann gut nachfühlen, wie es dir jetzt geht.

    Mein Herzliches Beileid! Ich wünsche dir viel Kraft und auch für Sisko alles Gute.

    Und vielen lieben Dank für diesen wunderbaren, wenn auch traurigen Artikel. Er wird vielen Lesern helfen.

    Liebe Grüße, Diana