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Katzenbeziehungen

von Tatjana Mennig

 

Katzen sind Einzelgänger!

 

Katzen darf man nicht alleine halten!

 

Ja – was denn nun?

 

Vorbild Falbkatze!?

 

Eindeutig beides. Es kommt nämlich ganz auf die einzelne Katze an. Die Vorfahrin aller Hauskatzen, die Falbkatze aus Nordafrika, war ursprünglich tatsächlich als Einzelgängerin unterwegs – ein territoriales Wesen, das nur zur Paarung und Jungenaufzucht kurzzeitig gesellig ist und ansonsten Begegnungen mit Artgenossen möglichst vermeidet. Das macht durchaus Sinn, wenn das „Angebot“ an Beutetieren nicht sonderlich üppig ist. Mittlerweile ist allerdings eine deutliche Tendenz zur Geselligkeit zu beobachten und nicht alle Falbkatzen sind tatsächlich noch strikte Einzelgänger.

 

Ressourcen, Sozialisation und Persönlichkeit

 

Je enger sich die Katze an den Menschen anschließt, desto mehr ist sie in der Lage, Artgenossen in ihrer unmittelbaren Nähe zu tolerieren oder sogar Freundschaften mit ihresgleichen zu schließen. Das hat wiederum mit dem Nahrungsangebot zu tun. Auf Bauernhöfen zum Beispiel, wo es nicht nur reichlich Mäuse gibt, sondern Katzen auch noch vom Menschen gefüttert werden, kommen Katzen wunderbar miteinander aus, jedenfalls wenn sie miteinander aufgewachsen sind, sich schon sehr lange kennen oder verwandt sind. Das geht sogar so weit, dass Katzenmütter gemeinsam ihre Jungen aufziehen und gegen etwaige Feinde verteidigen.

 

Je nachdem wie ein Kätzchen aufwächst, ob mit anderen erwachsenen Katzen oder nur mit seiner Mutter und den Geschwistern, entwickelt sich meist auch seine Fähigkeit, gut mit Artgenossen auszukommen. Eine große Rolle spielt aber auch sein grundsätzlicher Charakter – ich kenne sowohl Katzen, die die besten Voraussetzungen für ein Leben mit anderen Katzen mitbringen, aber trotzdem lieber Einzelkatze sind als auch Katzen, die früh von ihrer Mutter getrennt wurden und lange als Einzelkatze gehalten wurden und trotzdem keinerlei Probleme bei der Zusammenführung mit anderen Katzen hatten. Das sind aber wohlgemerkt beides große Ausnahmen.

 

Es kommt also auf verschiedene Faktoren an, die darüber entscheiden, ob und wie gesellig eine Katze ist, und außerdem auf die Ressourcenlage im Katzenrevier. Ich bin deshalb grundsätzlich kein Freund von Verallgemeinerungen, wenn es um Katzen geht und bei der Frage, ob alleine oder zu mehreren und wenn ja, zu wie vielen man Katzen halten sollte, schon gar nicht. Katzenbeziehungen könnten unterschiedlicher nicht sein!

 

Auch bei Katzen gilt: Gleich und Gleich gesellt sich gern

 

Auch wenn es theoretisch perfekt passt, ist das aber noch keine Garantie dafür, dass sie sich auch wirklich mögen. Denn bei Katzenbeziehungen kommt es immer auch sehr auf Sympathien an. Manche Katzen können sich gut leiden, während andere einander einfach unsympathisch oder sogar inakzeptabel finden. Auch das gilt es herauszufinden und gegebenenfalls einige räumliche Modifikationen vorzunehmen, damit es zum Beispiel für jeden ausreichend tolle, möglichst hochgelegene Ruheplätze gibt und immer auch die Möglichkeit, einander aus dem Weg zu gehen. Auch sollte für sehr viel Beschäftigung gesorgt werden, damit keine Langeweile aufkommt, die womöglich dazu führt, dass die eine oder andere Katze sich ganz auf das Stalken der Mitkatze konzentriert. Wenn es gar nicht geht, kann die beste Lösung auch sein, die Katzen dauerhaft zu trennen.

 

Viele Katzenbeziehungen brauchen aber auch einfach Zeit zu wachsen und viel menschliche Unterstützung. Mit einem passenden Training, viel Geduld und Verständnis kann sehr, sehr viel erreicht werden bei Katzen.

 

 

 

 

 

 

Autorin: Tatjana Mennig, Katzenverhaltensberaterin (ATN). Tatjana Mennig berät seit 2008 in Hamburg und Umgebung Katzenhalter zu Katzenfragen und betreibt einen eigenen Blog. Ihr besonderes Steckenpferd sind Katzenbeziehungen und Katzenzusammenführungen.

 

www.felis-felix.de

 

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