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Eine neue Katze zieht ein

Zwei Katzen, aneinandergekuschelt auf Bett

 

Angenommen, Sie teilen Ihren Haushalt mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin, Ihrer 13jährigen Tochter und einer 9 Monate

 

alten Katze. Da Sie an einer verkehrsreichen Straße wohnen und Ihren Nachbarn nicht trauen, haben Sie sich dafür

 

entschieden, die Fellnase, nennen wir sie Minka, ausschließlich in der Wohnung zu halten. Minka ist ihrem Alter gemäß

 

lebhaft, verspielt und sehr aktiv – schmusen möchte sie nur ab und zu.

 

Wenn Sie ganz ehrlich sind, nervt Sie das wilde Rumgerenne, das andauernde Miauen und die Attacken aus dem Hinterhalt

 

auf Ihre Füße zunehmend. Ihr Partner meint dazu achselzuckend: „Du wolltest doch unbedingt eine Katze!“ und Ihre

 

pubertierende Tochter spielt zwar ab und zu halbherzig mit Minka, hängt aber viel lieber mit Ihrem Smartphone in ihrem

 

Zimmer ab.

 

 

So geht es, meint das Internet

Da das Internet auf alle Fragen eine passende Antwort bereit hat, informieren Sie sich auf einigen Tierschutz-, Katzen- und

 

Forenseiten, was zu tun ist und siehe da, die Meinung ist einhellig: Eine Partnerkatze für Minka muss unbedingt her.

 

Gesagt – getan. Sie entscheiden sich spontan für den etwa zweijährigen „Rocky“ aus dem nahe gelegenen Tierheim, da er

 

einen wunderschönen großen Katerkopf hat und ganz verschmust ist, wie Ihnen das Tierheimpersonal einhellig versichert.

 

Ansonsten ist über den Schmusebär nicht viel bekannt, auch nicht, ob er sich mit anderen Katzen versteht, ist er doch in

 

einem Einzelraum untergebracht, da er sich noch in Quarantäne befindet.

 

Aber er liebt Menschen, also muss er doch auch Artgenossen in sein Herz schließen, so mutmaßen Sie zuversichtlich (und

 

liegen damit übrigens ganz falsch).

 

Missglückte Zusammenführung

 

Nach einer Woche dürfen Sie den hübschen Kater mit nach Hause nehmen; also packen Sie ihnen in eine Transportbox, in

 

die er auch bereitwillig einsteigt und fahren mit ihm in sein neues Zuhause. Den Transportkorb stellen Sie mitten ins

 

Wohnzimmer und locken Minka herbei, die nichtsahnend angelaufen kommt, die Kiste incl. Inhalt wahrnimmt, sich Rocky

 

tatsächlich, mit „Begrüßungsschwanz“ und Gurrlaute von sich gebend, nähert. Erleichtert – ganz sicher waren Sie nicht, ob

 

die Zusammenführung wirklich reibungslos verläuft – öffnen Sie die Plastikschnallen und heben den Deckel. Was nun

 

geschieht, geht so schnell, dass Sie die einzelnen Abläufe hinterher nicht mehr genau benennen können: Knurren,

 

Gefauche, schnelle Bewegungen, ein Fellknäuel, aus dem sich Haarbüschel lösen, Geschrei und dann kann Minka endlich

 

entkommen und flieht Hals über Kopf ins angrenzende Esszimmer, wo sie sich auf das Regal retten kann. Rocky setzt

 

halbherzig hinterher, kehrt aber rasch um, läuft zu Ihnen und reibt sich laut schnurrend an Ihren Beinen. Sie sind völlig

 

perplex, streicheln den „Schmusekater“ halbherzig und laufen dann Minka hinterher, die Sie mit riesigen Pupillen anstarrt

 

und als Sie beruhigend auf Sie einzureden versuchen, ein Fauchen von sich gibt, das Sie zurückzucken lässt. Rocky hat es

 

sich derweil auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich gemacht und putzt sich ausgiebig.

 

Zugegeben – dieses Szenario ist „the worst case“, aber davon sollte man immer ausgehen, um entsprechende

 

Vorbereitungen treffen zu können.

 

Was haben Sie falsch gemacht?

 

  • Wenn Sie eine Partnerkatze für Ihre Samtpfote möchten, sollten Sie sich nicht von Ihren Gefühlen leiten lassen, schon

gar nicht ausschließlich vom Aussehen, sondern ganz pragmatisch vorgehen: Passen Alter, Geschlecht,

 

Persönlichkeit, Sozialisation und Spielverhalten zusammen?

  • Eine Katze, die stark auf Menschen bezogen ist, muss nicht unbedingt Artgenossen mögen – das eine hat mit dem

anderen nicht unbedingt etwas zu tun (warum Einzelhaltung manchmal die bessere Alternative ist, lesen Sie hier).

 

  • Wie würden SIE sich fühlen, wenn in IHRER Wohnung, in der Sie sich sicher fühlen, plötzlich ein fremder Mensch steht

und Sie dann noch aus dem Weg schubst, Sie anpöbelt und es sich auf IHRER Couch bequem macht? Gar nicht gut

 

oder!? Ob Sie diesem Kerl noch einmal eine Chance geben, ist mehr als fraglich.

 

Bekanntmachen von Katzen - so geht es richtig

 

Wie können Sie es besser machen?

  •   Die besten Chancen bei einer Vergesellschaftung haben Sie, wenn die Katzen ungefähr das gleiche Alter haben, eine

ähnliche Persönlichkeit (beide mutig oder beide eher ängstlich) aufweisen, auf Artgenossen sozialisiert sind und ein

 

ähnliches Spielverhalten zeigen (Kater sind oft Rüpel beim Spielen und Kätzinnen schätzen eher dasObjektspiel, sind

 

nicht so ruppig).

  •  Haben Sie einen vermeintlich passenden Artgenossen gefunden, überfallen Sie die Altkatze nicht mit dem neuen

Kumpel, sondern lassen es langsam angehen. Richten Sie vorher ein extra eingerichtetes Zimmer für den

 

Neuzugang ein, in dem sich Schlafkörbchen, Wasserschüssel, Fressnäpfe, Spielzeug und ein Katzenklo befinden. Dort

 

 

wird der neue Mitbewohner zunächst einquartiert, sodass eine Gewöhnung auf beiden Seiten stattfinden kann.

 

 

Tauschen Sie im Laufe der ersten Tage die Schlafdecken aus, um auch eine geruchliche Verbindung herzustellen.

 

 

Achten Sie auf die Körpersprache der beiden Stubentiger und schätzen Sie so ein, wann Sie einen ersten

 

 

kontrollierten Direktkontakt zulassen können – diesen aber immer bewaffnet mit Leckerchen, denn die Begegnung

 

 

soll ja für beide Seiten angenehm verlaufen.

 

 

Diese Erstzusammenführung von Katzen ist entscheidend für das weitere Zusammenleben der beiden (oder drei, vier)

 

 

und sollte wirklich akribisch geplant werden, um ein friedliches, harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen.

 

Ich berate Sie gerne, damit beim Erstkontakt und darüber hinaus alles glatt läuft und eine harmonische Katzengruppe entstehen kann.

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