Von Rasse- und Hauskatzen

Sind Rassekatzen "pflegeleichter" als die normale Hauskatze?

Gründe, sich eine Rassekatze zuzulegen, gibt es viele: ein bestimmtes Schönheitsideal, ein gewisser Status, eine Modeerscheinung, der liebenswerte Charakter, die stärkere Bindung an den Menschen, das einfache "Handling".
Vernachlässigen wir Aspekte wie Schönheitsideal und den aktuellen Hype um eine bestimmte Rasse (momentan sind es die Ocicats), bleiben noch die charakterlichen Merkmale sowie die Ansicht, Rassekatzen (lassen wir die Bengalen einmal außen vor) seien in ihrer Haltung pflegeleichter als die "normale Hauskatze" und würden zu ihrem Menschen einen intensiveren Kontakt entwickeln. Stimmen diese Thesen?

Der Charakter: Dieser ist abhängig von Genen (die auch die Persönlichkeit der Katze beeinflussen), der Umwelt und den darin gemachten Erfahrungen. Natürlich unterscheiden sich Rassekatzen von der Hauskatze in ihrer genetischen Ausstattung, was man vordergründig an ihrem äußeren Erscheinungsbild sehen kann. Und genau diese äußeren Merkmale wie Fellmaserung, Ohrengröße, Schwanzlänge, Nasenlänge etc., was als Kriterium für eine bestimmte Rasse dienen mag, sind ausschlaggebend für die Zucht. Mit anderen Worten: Züchter selektieren nach einem bestimmten Aussehen und nicht nach einer bestimmten Charaktereigenschaft. Und dennoch schreiben die verschiedenen Züchterverbände ihren Katzen bestimmte Eigenschaften zu: So gelten Ocicats als leicht erziehbar, dennoch unabhängig, sehr intelligent und menschenbezogen, Thais seien besonders sensibel und spielfreudig, Britisch Kurzhaar überaus verschmust, anfangs distanziert zu Fremden und sehr verträglich mit anderen Katzen. Die Wissenschaft habe sich hingegen, so der Verhaltensforscher John Bradshaw, "bislang kaum mit der Frage beschäftigt, ob Katzenrassen rassespezifische Persönlichkeiten besitzen."
Daher kann manch ahnungslose(r ) Tierhalter_in eine böse Überraschung erleben, wenn er/sie sich ein junges Siamkätzchen zulegt und erleben muss, dass die Katze so gar nicht dem Klischee einer sanften Schmusekatze entspricht.

Meiner bisherigen Erfahrung nach ist nicht die Rasse ausschlaggebend, sondern Sozialisation und Haltung der Katze. Die aggressive Siamkatze, die sich nicht mit einer anderen Katze vergesellschaften lässt, wurde zu früh abgegeben und hat nicht die Erfahrungen mit Geschwisterkatzen gemacht, die notwendig sind, um sich zu einem sozialen Wesen zu entwickeln. Der Britisch-Kurzhaar-Kater Timber kann nicht als besonders verschmust bezeichnet werden, aber er ist ein ausgezeichneter Jäger und streift durch Feld und Flur wie "normale" Hauskatzen. Der Thai-Kater Neko ist überaus freundlich Menschen gegenüber und hat eine innige Beziehung zu seinem Herrchen aufgebaut, ist aber äußerst aggressiv anderen Katzen gegenüber und lebt daher in Einzelhaltung. Kater Lucca, ein ganz normaler EKH-Kater ist sehr intelligent, äußerst sozial, dennoch unabhängig und menschenbezogen – werden diese Eigenschaften nicht Ocicats zugeschrieben!?

Insofern kann ich der These, Rassekatzen seien pflegeleichter in der Haltung und dazu menschenbezogener, nicht zustimmen.

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